Schulkinder lachen

Situation in Karur

Karur ist eine Industriestadt im indischen Bundesstaat Tamil Nadu. Die Textilindustrie ist hier und in den umliegenden Dörfern stark vertreten. Es gibt zahllose kleine Webereien, Nähereien und Färbereien. In Karur und Umgebung sind etwa 25.000 Mädchen und Jungen in Textilbetrieben oder als Edelsteinschleifer beschäftigt.

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Sie haben keine Zeit für Spiel oder Erholung und keine Chance zur Schule zu gehen, obwohl auch in Indien eine allgemeine Schulpflicht von 6 bis 14 Jahren besteht.

Außerhalb der Stadt Karur leben in kleinen Siedlungen zwischen den Feldern viele »Kulis«, die zumeist als Tagelöhner harte Arbeit leisten. Einige der Kinder helfen auf den Feldern, andere laufen jeden Morgen ins Nachbardorf, denn hier gibt es gut bezahlte Arbeit - jedenfalls im Vergleich zu den 20 Rupien für acht Stunden auf dem Feld. In den kleinen Textilbetrieben der Umgebung stellt man gern Kinder an: Sie haben flinke Hände, mucken nicht auf, bekommen weniger Lohn und können zudem leichter betrogen werden. Für einen 11-Stunden-Tag gibt es etwa 60 bis 80 Eurocent. Die Tätigkeitsbereiche sind: Nähen, Schneiden, Falten und Verpacken, Färben, Wringen, Verladen oder das Mischen von Chemikalien.

Die Hilfsorganisation

Seit 1992 engagiert sich die indische Hilfsorganisation »Psycho Trust« in Tamil Nadu für die Rechte der Kinder. Zentrales Thema ist der Einsatz gegen ausbeuterische Kinderarbeit und das Angebot von Bildungs- und Ausbildungsprogrammen. Das Kinderhilfswerk »terre des hommes Deutschland e.V. « setzt sich international gegen ausbeuterische Kinderarbeit ein und unterstützt den Psycho Trust seit 2001.

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FAIR FOR KIDS hat mit diesen beiden Projektträgern renommierte, in der Sache kompetente und vor allem auch vor Ort anerkannte und bestens vernetzte Partner für die Umsetzung der eigenen Projektziele gewählt. Gemeinsam gestalten wir bedarfsgerecht die Arbeit im Projekt und beschließen, welche Schritte und Ziele in welchem Zeitraum realistisch angepackt und umgesetzt werden sollen. Unsere Zusammenarbeit läuft seit der Gründung von fair for kids im November 2007 ausgesprochen fruchtbar, einzelne Projektziele konnten teilweise deutlich schneller, als geplant realisiert werden. Psycho Trust und terre des hommes erstellen regelmäßige Berichte und sorgen so für die notwendige Transparenz zum Mitteleinsatz und zu den Projektschritten.

Das Projekt in Karur

Das Projekt in Karur richtet sich gegen die Kinderarbeit in der Textil- und Edelsteinindustrie. Kinderarbeit ist ein komplexes Thema. Um Kinderarbeit mittelfristig abzuschaffen, bedarf es vielschichtiger Programme sowie gut ausgebildeter, engagierter Mitarbeiter, die vor Ort gesellschaftliche Anerkennung finden, die die einfachen Leute überzeugen können und die von politischen Entscheidungsträgern unterstützt oder zumindest toleriert werden.

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Die Schwerpunkte des Projektes sind entsprechend vielfältig:

  • Informeller Unterricht an der Abendschule im Schulzentrum, um arbeitende Kinder auf den Besuch staatlicher Schulen vorzubereiten,
  • Unterstützung für Schüler/innen, um Schulabbrüche zu verhindern, 
  • Informations- und Motivationsprogramme, um Eltern die Bedeutung der Schulbildung für ihre Kinder zu vermitteln, Schuleinschreibungsprogramme für Schulanfänger,
  • Organisation von Selbsthilfegruppen in den Dörfern, um vor allem mit Kleinstkredit-Programmen die wirtschaftliche Situation der Frauen zu verbessern,
  • Kampagnen für Kinderrechte, Kampagnen für Gleichstellung der besonders benachteiligten Mädchen,
  • Etablierung von Kinderparlamenten, um Kinder offiziell zu repräsentieren und über ihre Rechte zu aufzuklären.

Das Schulzentrum in Karur

Die Initiative fair for kids hatte sich 2007 ein besonders ehrgeiziges Ziel gesetzt: Das Bildungsprojekt Psycho Trust in Karur sollte endlich ein eigenes Schulzentrum erhalten. fair for kids finanzierte den Bau zu hundert Prozent und übernimmt die laufenden Kosten für den Schulbetrieb.

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Mit dem Schulzentrum „Kutties’ Rajiyam“ - Königreich der Kinder - wurde ein Mehrzweck-Bau für Kinder und Jugendliche errichtet und im Mai 2009 feierlich eröffnet. Inzwischen wurden 6 „Mini Kutties’ Rajiyam“ in Dörfern um Karur für Kinder ergänzt, für die der Weg zum Hauptzentrum zu weit ist. Der Unterricht ist hier ganz auf die Bedürfnisse der arbeitenden Kinder zugeschnitten. Nach einem langen Arbeitstag sind sie müde und können sich nur schwer konzentrieren. So wird mit vielen kleinen Pausen gelesen oder gerechnet und zwischendurch ein Lied zusammen gesungen oder ein kurzes Spiel gemacht. Der Psycho Trust bringt die Kinderarbeiter, die oft schon einige Schuljahre versäumt haben, auf ein Level, das es ihnen erlaubt, die öffentlichen Schulen zu besuchen und dort einen Abschluss zu machen. Die Zusammenarbeitet mit den Schulen und den Lehrern im Distrikt Karur ist intensiv.

In den 5 Jahren seit Gründung von Kutties’ Rajiyam haben bereits 30.000 Kinder und Jugendliche kulturelle oder Bildungsangebote wahrgenommen. Das Schulzentrum bietet jede Woche etwa 300 Kindern zu unterschiedlichen Zeiten und Anlässen folgende Angebote:

  • Eine Abendschule für arbeitende Kinder,
  • Informeller Unterricht für Schulabbrecher, die in staatliche Schulen reintegriert werden sollen,
  • Eine »Transit-Schule« für arbeitende Kinder, die in reguläre Schulen weiter vermittelt werden sollen,
  • Computerraum, Labor, Musikzimmer, Aufnahmeraum für Musik und Radiobeiträge der Kinder, Bücherei, Kreativ- und Entspannungsbereich, Planetarium,
  • Großer Gemeinschaftraum für Treffen und Geselligkeiten der Kinder sowie für Trainingsprogramme für Projektmitarbeiter, Lehrer und Eltern,
  • Vielfältige Freizeit-, Spiel- und Sportangebote für drinnen und draußen,
  • Seit 2010 Schulinternat für Kinder, die den Anschluss an reguläre Schulen verpasst haben und intensive Betreuung benötigen. Für die Dauer von etwa sechs Monaten werden sie hier untergebracht und unterrichtet, um ihren Schulabschluss nachzuholen oder an eine reguläre Schule wechseln zu können.
  • Seit 2010 Schulinternat für Kinder, die den Anschluss an reguläre Schulen verpasst haben und intensive Betreuung benötigen. Für die Dauer von etwa sechs Monaten werden sie hier untergebracht und unterrichtet, um ihren Schulabschluss nachzuholen oder an eine reguläre Schule wechseln zu können.
  • Seit 2010 Ausbildungsangebote im durch die Initiative von fair for kids neu geschaffenen „Center for Textile Education“ vor allem für benachteiligte junge Mädchen und Frauen, die bereits zu alt für die Schule sind; die Mädchen werden im Schneidern, Nähen oder Sticken ausgebildet. Auch Computerkurse und Textildesign werden angeboten. Die Jungen erlernen andere handwerkliche Tätigkeiten wie Schreiner, Installateur oder Schweißer. Außerdem wird ein Basisunterricht mit Rechnen, Schreiben und Lesen vermittelt.
  • In regelmäßigen Health Camps werden Kinder, die sonst keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung haben, untersucht und behandelt.